Arbeiten im Flieger - Economy Class, Mittelsitz 23B

an Bord eines Flugzeugs zu arbeiten hat seinen besonderen Reiz. Für einen viel beschäftigten Manager ist die Zeit über den Wolken eine willkommene Verlängerung des Arbeitstages. Nur hatte meine Sekretärin diesmal in der Economy Class gebucht. Billig Airline, ein Ticket ohne Extras. Quasi ein Auto in der Grundausstattung. Und da war es auch schon passiert: ich hatte zu spät eingecheckt. 23B - Mittelsitz, ausgebuchter Flug. Bereits am Gate drängelten sich die Massen durch das Self Boarding Gate. Ich blieb ruhig und wartete, bis sich die Menge an Board gequält hatte. Der Flug war tatsächlich ausgebucht und mir blieb nicht anderes übrig als mich in den hinteren Teil des Flugzeugs zu schieben. Ich zwängte mich in meinen Sitz, Laptop Tasche zwischen die Füsse.

Kurz nach dem Start sackte mein linker Sitznachbar am Fenster in sich zusammen und döste mit offenem Mund vor sich hin, mein Nachbar rechts am Gang blockierte die Armlehne. Die Person vor mir setzte kurz nach dem Start die Rückenlehne zurück. Na großartig! Ich verdrehte meinen Oberkörper und griff nach meiner Tasche zwischen den Beinen. Meine Stirn berührte dabei die Rückenlehne des Vordermanns. Ich zog den LapTop gekonnt aus der Tasche und klappte den Tisch herunter. Dabei drückte die Tischkante in meinem Magen. Der Monitor lies sich durch die zurückgestellte Rückenlehne meines Vordermanns nur im 70 Grad Winkel aufstellen. Zum Arbeiten musste ich meine Arme stark anwinkeln und presste sie dabei seitlich an den Oberkörper, meine Handgelenke dabei stark nach unten abgeknickt. Mein Kinn drückte auf meine Brust, um besser auf den Monitor blicken zu können. Gut - Ausgangsposition erreicht, jetzt konnte es endlich losgehen. Ich öffnete meine Datei und begann mit der Bearbeitung der Präsentation. Mein Finger glitt über das Mousepad und jonglierte mit dem Cursor. Ich war fokussiert und verharrte in meiner verkrampften Sitzposition. In der Reihe hinter mir begann ein Kleinkind zu schreien, die Mutter versuchte ihr Bestes, um es mit Schlafliedern zu beruhigen.

"Möchten Sie etwas Trinken", fragte mich eine sympathische Stimme und riss mich damit aus meiner Konzentration. Ich bestellte mir ein Kaltgetränk. Als ich meinen Arm nach dem Plastikbecher ausstrecke, spürte ich die Blutzirkulation und die einsetzende Entkrampfung. Hastig spüle ich die kühle Cola hinunter und drücke den leeren Becher in das Ablagenetz unter dem Tisch. Sofort sprang mein Arm zurück in die Ausgangsposition. Mein Sitznachbar am Fenster schreckte plötzlich hoch, wahrscheinlich hatte ihn seine ausgetrocknete Mundhöhle in die Realität zurückgeholt. Nach 40 Minuten in der gefühlten Embryoposition kam die Durchsage zur Vorbereitung der Ladung. Ich hatte mich beeilt, aber meine Arbeit nicht beenden können. Wieder die routinierte Körperdrehung, der Griff zur Tasche und im Blindflug verschwand der Laptop wieder in der Tasche. Ich atmete jetzt zum ersten Mal seit dem Start tief durch. Mensch, fühlte sich das gut an. In wenigen Minuten konnte ich mich aus der Embryoposition befreien. Der Flieger leerte sich zügig und ich hebelte mich aus meinem Sitz. Beim Verlassen der Kabine verabschiedete mich die Stewardess mit den Worten:"Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug!".

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